Volker Kühn
3-D-Objekte mit Rahmen
Bei Volker Kühns 3-D-Objekten werden, wie auf kleinen Bühnen, Alltagsmomente, zwischenmenschliche Beziehungen, Gefühle, Weisheiten, Sprichwörter, Sternzeichen oder motivierende Situationen in Szene gesetzt. Die Werke bestehen aus handgefertigten und handbemalten Elementen, die in vitrinenartigen Rahmen zu kleinen Szenen arrangiert werden. Durch die räumliche Tiefe unterscheiden sie sich deutlich von klassischen Bildern oder Grafiken: Der Betrachter blickt gewissermaßen in eine winzige Theaterbühne hinein. Jede Figur, jedes Requisit und jedes Detail trägt zur Geschichte des jeweiligen Objektkastens bei.

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Volker Kühn – Künstler der dreidimensionalen Miniaturwelten
Volker Kühn (1948–2023) war ein deutscher Künstler, Bildhauer und Grafiker, der vor allem mit seinen humorvollen dreidimensionalen Objektkästen international bekannt wurde. Seine „Art in Boxes“ verwandeln alltägliche Situationen, menschliche Wünsche und gesellschaftliche Beobachtungen in detailreiche Miniaturwelten. Mit Humor, Ironie und einer optimistischen Grundhaltung lud Kühn dazu ein, das Leben aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu betrachten.
Volker Kühn: Leben und künstlerischer Werdegang
Volker Kühn wurde am 5. April 1948 in Neuenkirchen bei Bremen geboren und wuchs in Lilienthal auf. Nach einer Tischlerlehre in Worpswede studierte er von 1968 bis 1972 Bildhauerei an der Hochschule für Gestaltung in Bremen. Die handwerkliche Ausbildung und sein Studium der Plastik prägten dabei nachhaltig seine spätere Arbeitsweise. 1972 eröffnete Kühn sein eigenes Atelier in Lilienthal.
Zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn beschäftigte sich Kühn mit kinetischen Lichtobjekten. Bereits 1973 wurden Arbeiten im Leopold-Hoesch-Museum in Düren und im Kunstverein Unna gezeigt. 1974 erhielt er den Förderpreis des Bremer Senats. Anschließend wandte er sich zunehmend der Zeichnung und Druckgrafik zu. Ab 1976 entstanden seine ersten Radierungen und später die charakteristischen Miniatur-Radierungen, mit denen er sich auch international einen Namen machte
Ausstellungen und Kunstmessen führten seine Arbeiten unter anderem nach Europa, in die USA und nach Japan. Eine Ausstellungstournee durch Japan im Jahr 1986 markierte schließlich einen wichtigen Wendepunkt in seinem Schaffen.
Die dreidimensionalen Objekte von Volker Kühn
„Art in Boxes“ – kleine Bühnen für das Leben
Ab 1986 konzentrierte sich Volker Kühn zunehmend auf dreidimensionale Objektkunst. Unter dem Begriff „Art in Boxes“ entwickelte er kleine, dreidimensionale Bühnen, auf denen menschliche Alltagssituationen, Wünsche, Träume und Schwächen dargestellt werden.
Die Werke bestehen aus handgefertigten und handbemalten Elementen, die in vitrinenartigen Rahmen zu kleinen Szenen arrangiert werden. Durch die räumliche Tiefe unterscheiden sie sich deutlich von klassischen Bildern oder Grafiken: Der Betrachter blickt gewissermaßen in eine winzige Theaterbühne hinein. Jede Figur, jedes Requisit und jedes Detail trägt zur Geschichte des jeweiligen Objektkastens bei.
Kühns Miniaturwelten sind häufig Momentaufnahmen des menschlichen Lebens. Themen wie Liebe, Erfolg, Arbeit, Geld, Glück, Beziehungen und persönliche Wünsche erscheinen in überraschenden und oft augenzwinkernden Situationen. Dabei überzeichnet der Künstler Alltagserfahrungen und gesellschaftliche Klischees, ohne seine Figuren oder Betrachter bloßzustellen.
Humor, Ironie und Lebensweisheiten
Ein wesentliches Merkmal der dreidimensionalen Kunst von Volker Kühn ist ihre Verbindung aus Humor und Tiefgründigkeit. Auf den ersten Blick wirken die kleinen Szenen häufig verspielt oder komisch. Bei genauerem Hinsehen erschließen sich jedoch weitere Bedeutungsebenen.
Kühn beschäftigte sich mit den kleinen und großen Fragen des Lebens. Seine „Kleinen Welten“ setzen Aphorismen, Zitate und Lebensweisheiten in räumliche Bilder um. Die Miniaturfiguren werden dabei zu Stellvertretern für menschliche Verhaltensweisen und Situationen.
Seine Kunst ist deshalb leicht zugänglich, ohne oberflächlich zu sein. Die Szenen funktionieren weitgehend ohne sprachliche oder kulturelle Erklärungen und entwickeln dadurch eine international verständliche Bildsprache. Kühns Arbeiten wurden weltweit in Galerien gezeigt und waren unter anderem auf internationalen Kunstmessen wie der Art Expo in New York vertreten.
Die besondere Bedeutung der Miniaturwelten
Die dreidimensionalen Objekte von Volker Kühn verbinden mehrere künstlerische Bereiche: Bildhauerei, Grafik, Modellbau und erzählerische Kunst. Aus seiner Ausbildung als Bildhauer und seiner handwerklichen Erfahrung entwickelte Kühn eine eigenständige Form der Objektkunst.
Dabei ist die geringe Größe der Werke ein bewusst eingesetztes Stilmittel. Der Betrachter muss näher herantreten und die einzelnen Details entdecken. So entsteht eine besondere Form der Interaktion: Erst der genaue Blick offenbart die Geschichte hinter der Szene.
Kühns Werke zeigen das Leben nicht als perfekte Welt. Sie erzählen von Erfolgen und Misserfolgen, Hoffnungen und Hindernissen, Beziehungen und persönlichen Träumen. Dennoch bleibt die Grundstimmung häufig heiter und lebensbejahend. Der Künstler bezeichnete sich selbst als „hoffnungslosen Optimisten“.
Volker Kühn und sein künstlerisches Vermächtnis
Neben seinen Objektkästen entstanden weiterhin Zeichnungen, Radierungen und weitere grafische Arbeiten. Auch seine sogenannten Blätterbilder, bei denen Papier und räumliche Gestaltung miteinander verbunden werden, gehören zu seinem späteren Schaffen.
Mit seinen dreidimensionalen Bildern, Objektkästen und Miniaturwelten entwickelte Volker Kühn eine unverwechselbare Bildsprache. Seine Werke machen alltägliche Situationen zu kleinen Geschichten und verbinden handwerkliche Präzision mit Humor, Ironie und philosophischen Gedanken.
Volker Kühn starb am 29. Oktober 2023 in Lilienthal. Seine „Art in Boxes“ bleiben als charakteristischer Teil der zeitgenössischen Objektkunst erhalten und werden weiterhin in Galerien und Ausstellungen präsentiert.